Eine Fahrradtasche voller Mutmach-Post und eine Frage, die viele Frauen beschäftigt: „Darf ich überhaupt flach bleiben?“ Damit machte Antje Proft kürzlich im Rahmen ihrer Initiative „Brustlos nicht Rad(t)los“ Station im interdisziplinären Brustzentrum Taxisstraße des Rotkreuzklinikums München.
Antje Proft lebt seit 2021 nach ihrem dritten Brustkrebsrezidiv ohne Brustaufbau. Unterstützung fand sie damals beim Verein AMSOB („Ablatio mammae – Selbstbewusst ohne Brust“). Heute nutzt die Leipzigerin ihre Urlaubszeit, um Brustzentren in Deutschland zu besuchen, Erfahrungen weiterzugeben und mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Im Gepäck hatte sie neben Informationsmaterial auch persönliche „Mutmach-Post“: Karten mit Fotos und Botschaften von Frauen, die ihren eigenen Weg nach einer Brustkrebsdiagnose gefunden haben.
Im Austausch mit der leitenden Oberärztin Dr. Anne Andrulat und Psychoonkologin Dr. Heidelinde Falk stand vor allem die Vielfalt möglicher Entscheidungen im Mittelpunkt. „Viele Patientinnen wünschen sich den Austausch mit anderen Betroffenen“, sagt Dr. Anne Andrulat. Zwar bietet ihr Team die medizinische Beratung umfassend an, persönliche Erfahrungen werden dadurch jedoch nicht ersetzt. „Wir können Patientinnen medizinisch und psychologisch begleiten. Was wir nicht ersetzen können, ist die Perspektive einer Frau, die diesen Weg selbst gegangen ist“, ergänzt Dr. Heidelinde Falk. Insbesondere deshalb freut sich Team der Frauenklinik, Patientinnen bei Bedarf künftig Antje Proft als persönliche Ansprechpartnerin vermitteln zu können.
Im Brustzentrum Taxisstraße werden alle etablierten Möglichkeiten nach einer Brustentfernung ergebnisoffen besprochen: ein Leben ohne Brust, eine Rekonstruktion mit Eigengewebe oder ein Wiederaufbau mit Implantaten. Entscheidend sei, dass die gewählte Lösung zur jeweiligen Lebenssituation passe. „Man darf heute unterschiedliche Entscheidungen treffen“, betonte Antje Proft. Genau dafür möchte sie Frauen ermutigen.
Die Frauenklinik in der Taxisstraße hat eine lange Geschichte als Einrichtung von Frauen für Frauen. Bis heute gehört dazu, Patientinnen nicht nur medizinisch zu begleiten, sondern sie bei einer Entscheidung zu unterstützen, die weit über den eigentlichen Eingriff hinausreicht.